⚖️ Nachhaltigkeit und Philosophie

Wenn man ein Haus baust, trifft man tausend Entscheidungen. Welche Wände? Welche Dämmung? Welcher Boden? ect. Für uns war von Anfang an klar, dass wir unser Tiny House mit der Natur bauen wollen, nicht gegen sie.

Zurück zur Natur

Als ich nach meinem Burnout viel Zeit draussen verbracht und einen Permakulturkurs besucht habe, wurde mir klar, dass die Natur heilt. Aber sie kann nur heilen, wir aufhören sie auszubeuten und wenn wir lernen, wieder ein Teil von ihr zu sein.

Unser Tiny House soll aus Materialien bestehen, die aus der Erde kommen und zu ihr zurückkehren können. Mein Ziel war, mindestens 90% der Materialien Mutter Erde zurückgeben zu können.

Hempcrete – eine neue Entdeckung

Als ich das erste Mal von Hempcrete hörte, dachte ich, dass es zu gut klinge, um wahr zu sein.

Hanf, Kalk, Mineralienmischung und Wasser – mehr braucht es nicht. Das Material atmet, reguliert die Feuchtigkeit und bindet CO₂ aus der Luft. Im Sommer bleibt es kühl und im Winter speichert es Wärme.

Und das Beste ist, dass wenn das Haus irgendwann einmal nicht mehr stehen sollte, kann man die Wände einfach kompostieren. Alles geht zurück in die Erde. Kein Müll und kein Gift wird dabei verursacht.

Genau, das wollten wir und erschufen ein Tiny House aus Hanfkalk.

Leben ohne Abfall

Eine Komposttoilette ist gewöhnungsbedürftig, doch man wird sich daran gewöhnen. Es benötigt kein Trinkwasser, das Verschmutzt wird und in die Kanalisation verschwindet. Stattdessen werden Regenwürmer und Mikroorganismen aus unseren Hinterlassenschaften wertvollen Humus daraus machen. Der Urin wird separat aufgefangen und Verdünnt ein perfekter Dünger für die Pflanzen sein.

Wenn man so darüber nachdenkt, ist es schon verrückt, denn wir spülen Tagtäglich literweise sauberes Wasser die Toilette herunter. Wasser, das andere Menschen nicht haben und wir machen es aus vollkommener gewohnheit.

Es geht wahrlich auch anders.

Holz statt Gas

Der 100 Liter Badeofen wird komplett mit Holz beheizt. Man stelle sich vor an Winterabenden gemütlich vor dem warmen Ofen sitzen, das Knistern des Feuers zu hören und den Geruch von Holz zu riechen – ein Seelenschmaus.

Holz hacken, Feuer machen, den Raum warm werden spüren- All das verbindet uns mit etwas Ursprünglichem, nämlich in einer Zeit, als Heizen noch bedeutete, draussen zu sein und mit den Händen zu arbeiten.

Kompromisse

Eigentlich war unsere Ursprüngliche Vision gross, denn wir strebten eine Autarke Lösung an. Eine Grauwasserreinigung, begrüntes Dach und eine Solaranlage.

In der Realität erwies es sich als etwas teurer als gedacht und vom Gewicht her schwerer als Erlaubt. Es wäre auch etwas kompliziert geworden, weswegen wir diese Pläne verworfen haben.

Was bleibt?

Unser Tiny House wird kein Manifest für die perfekte Nachhaltigkeit sein, sondern ein ehrlicher Versuch, besser zu leben.

Klar, wir haben Fehler gemacht, viele neue Dinge gelernt und sind Kompromisse eingegangen. Doch am Ende steht ein Haus, das atmet, heilt und uns jeden Tag erinnert, dass es auch Anders geht.

Zwar nicht perfekt, aber echt!